Mittwoch, 20. August 2014

Siebold von Sooneck der Fein-Geist wider Willen

Grusel, Grauen und Spuk habe ich zu Lebzeiten verbreitet. Als Raubritter und Herr von Sooneck wusste ich mir zu holen, was ich begehrte. Sogar das Augenlicht von Ritter Veith von Fürsteneck habe ich gestohlen. Verflucht soll er sein, dieser aufgeblasene Schütze und feige Mörder! Sein Pfeil steckt mir heute noch im Halse.

Wie? Sie kennen meinen Namen nicht? Siebold hört sich mittelalterlich an? Ja, ich gebe zu, die Zeit ist seit 1266 schnell vergangen, als ich noch aus Fleisch und Blut über Burg Sooneck herrschte und jeder meinen Namen mit Ehrfurcht nannte. Ach, das waren noch Zeiten! Bis zu jenem Tag, als ich Veith, den ich geblendet und eingesperrt hatte, während meines großen Gelages die Freiheit schenken wollte. Veiths Aufgabe war, trotz seiner leeren Augenhöhlen mit Pfeil und Bogen den goldenen Becher in meiner Hand zu treffen, um von dannen ziehen zu können. Stattdessen zielte er daneben …   
Wie gerne würde ich heute wie alle anderen Geister und Gespenster um Mitternacht Angst und Schrecken verbreiten.  Doch nicht nur, dass mir Veiths Pfeil störend im Halse steckt und ich überall damit hängen bleibe, viel schlimmer ist dieser vermaledeite Fluch, den Veith mir mit seinem Pfeil auf den Hals schickte. Nun sitze ich als Geist mal auf dem Dachboden, mal im Verließ meiner Burg Sooneck und muss schreiben. Verflucht zu feingeistigen Ergüssen, fülle ich mit meinem Federkiel Seite um Seite die Chroniken von Burg Sooneck. Sogar schnulziges Liebesgeflüster fließt aus meiner Feder, auch wenn ich es hasse.  
Wann wird der Tag kommen, an dem ich erlöst werde und hinabsteigen kann in die Hölle, wo die ruchlosen Raubritter, meine Zech- und Saufbrüder auf mich warten?  

Das einzig Gute an diesem feingeistigen Fluch ist, dass ich nun per Du bin mit einem wahrlich großen Geiste: Dem Vater Rhein!
Ich  gehe gleich mal … doch Moment, was hören da meine feingeistigen Ohren? Ich soll Konkurrenz bekommen? Habe ich richtig gehört? Aber, was soll das denn sein, ein Burgenblogger? Ich lausche, ich höre … jemand, der hier in meinem Gemäuer einziehen und über das Mittelrheintal schreiben soll? Das ist ja mal was Neues! Wird es ein Frauenzimmer oder ein Mann sein? Frauenzimmer können heutzutage ja auch schreiben. Was für verrückte Zeiten! Diese Nachricht werde ich gleich in den Chroniken der Burg Sooneck vermerken. Ist das denn zu fassen? Ist er oder sie auch verflucht, oder gar freiwillig hinter der Schreibarbeit her? Ich werde diesen Burgenblogger oder vielleicht doch lieber Bloggerin (?) nicht aus den Augen lassen! Das verspreche ich! Wer weiß, was sich daraus ergibt? Wo ist mein Federkiel?    
Dies ist der erste Streich von Siebold von Sooneck dem Feingeist wider Willen. Rheinschreiber wünscht keinem #Burgenblogger ihm zu begegnen ;-) Außer auf der Blogparade von http://www.babak-zand.de/aufruf-zur-blogparade-die-burgenblogger/

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